Alles beginnt im Jahr 2018, mitten in einer regnerischen Nacht. Thierry Carrard wird in seinem Haus in Belfaux, wo er seit zehn Jahren wohnt, plötzlich durch seltsamen Lärm aus dem Schlaf gerissen. «Wir dachten, es seien Diebe, aber in Wirklichkeit handelte es sich um Objekte, die im Untergeschoss herumflossen! Wir hatten ungefähr 90 Zentimeter bis 1 Meter Wasser. Wir hätten nie gedacht, dass uns das passieren könnte. Eine erste Überschwemmung markiert den Beginn eines Leidenswegs, der sich in den folgenden vier Jahren dreimal wiederholen wird.
Vier Kubikmeter pro Sekunde
Die Ursache? Der Oberflächenabfluss, ein im Kanton bekanntes, aber oft unterschätztes Naturphänomen, das bei Starkregen auftreten kann. «Wir sprechen von einer Wassermenge von 20 bis 40 Litern pro Quadratmeter, die sich innerhalb von 10 Minuten ansammelte», erklärt Guillaume Oehen, Präventionsexperte bei der KGV. Der Boden kann diese Menge an Wasser nicht aufnehmen.» Oberhalb von Thierrys Haus bildet die steile, vertiefte Morphologie des Terrains einen natürlichen Weg für das Wasser. Wie eine Geschäftsstelle berechnet hat, kann dessen Durchfluss bis zu 4 Kubikmeter pro Sekunde betragen.
Dreimal dasselbe Szenario
Eine ähnliche Episode erlebte Thierry im Jahr 2020 und ein drittes Mal kurz vor Beginn der Schutzarbeiten an seinem Haus. «Das Wasser drang immer an den gleichen Stellen an der Rückseite meines Hauses ein.» Die Schäden häufen sich: «Das Eindringen von Wasser in Wände, Türen, Rahmen, Gemälde, viele persönliche Gegenstände … Innerhalb von zwei Tagen ist alles kaputt. Der Parkettboden muss entfernt werden», bedauert Thierry.
Das Haus schützen mit der Unterstützung der KGV
Nach dieser zweiten Episode schreitet die KGV ein, um nachhaltige Schutzmassnahmen zu prüfen. «Es empfiehlt sich, sich an eine Fachstelle zu wenden, die die hydrologischen Kennwerte berechnet und eine präzise Auskunft erteilt», erklärt Guillaume Oehen.
Für das Haus von Thierry wurde folgende Lösung gewählt: die Errichtung eines begrünten, wasserdichten Erdwalls, der so ausgelegt ist, dass er den berechneten Wassermengen standhält. Die KGV subventioniert die Vorstudien zu 80% und übernimmt derzeit 50% der Kosten für die Schutzmassnahmen.
Ein Phänomen auf dem Vormarsch
Thierrys Fall ist kein Einzelfall. Die KGV hat 2024 die Oberflächenabfluss-Gefährdungskarte aktualisiert, ein öffentlich zugängliches Online-Tool, das es ermöglicht, den Expositionsgrad jeder Baukonstruktion im Kanton Freiburg zu ermitteln. «Zwei Drittel der Hochbauten sind potenziell betroffen», sagt Guillaume Oehen.
Heute kann Thierry endlich ruhig schlafen. Seine Erfahrungen zeigen jedoch, dass Oberflächenabfluss heute ein Risiko darstellt, vor dem man sich schützen muss – bedingt durch den Klimawandel und die zunehmende Urbanisierung.