Wasser bis zur Taille
«Ich kam von der Arbeit nach Hause, als ich von der Strömung überrascht wurde. Es war heftig», erinnert sich Chantal. Durch einen aussergewöhnlich starken Regen angeschwollen, tritt der Jaunbach, beladen mit Schlamm und Lehm, über die Ufer und dringt in das Haus im Quartier Sous les Vanels ein. Dort steigt er auf eine Höhe, die «über die Taille reicht». In diesem Chaos ziehen Trümmer aller Art durch die Räume im Erdgeschoss des Hauses, die vom wütenden Fluss mitgerissen werden: Eiserne Rohre, Kanister und Holzstücke ziehen dicht an ihr vorbei. «Wenn ich gestürzt wäre, hätte ich dann wieder aufstehen können?», blickt sie emotional zurück.
Die wertvollsten Erinnerungen retten
Gleich neben Chantals Hütte erlebt das Haus ihres Vaters noch grössere Schäden. Das Wasser überflutet alle Räume im Erdgeschoss und erreicht die Höhe der Rückenlehne des Sofas. Der 87-Jährige wird sein Zuhause für zehn Monate verlassen müssen. Ein besonders schwieriger Moment, wenn nach dem Abklingen des Geschehens die von Schlamm bedeckten Räume und Möbel geräumt werden müssen. Wie beispielsweise das Sofa, das mit einer Axt geschnitten wurde, «weil man es sonst nicht rausholen konnte», erzählt Chantal. Neben den Sachwerten ging es ihr aber vor allem um den Erhalt der Familienfotos: «Ein Sofa kann man austauschen, aber Erinnerungen kann man nicht kaufen. Ich habe versucht, so viel wie möglich zu retten.»
Die Begleitung der KGV
Nach dem Einsatz der Feuerwehr während dem Unwetter ist am nächsten Tag die KGV an der Reihe. «Wir gehen von Haus zu Haus, um das Ausmass des Schadens einzuschätzen und allen die Gefahrenabwehr zu erklären», erklärt Yves Rumo, Schadenexperte. Seine Arbeit hört aber nicht dort auf: Bauüberwachung, Koordination mit privaten Versicherungen, Unterscheidung zwischen Mobiliar und Hochbau usw. «In den Tagen nach einem Schaden dieser Grössenordnung gibt es viel Hin und Her und Gespräche zwischen den Partnern», erklärt Yves Rumo. «Die KGV hat mich immer gefragt, ob ich Hilfe brauche», sagt Chantal. «Schon allein dieses Telefonat spendete viel Energie.»
Zwei Jahre später: die Wiederherstellung
Heute, fast zwei Jahre nach der Katastrophe, neigen sich die Arbeiten dem Ende zu. Die Kanalisationen wurden komplett erneuert, die Terrassen neu gebaut. «Wir werden wieder einen Apéro geniessen können und daran denken, dass nach zwei Jahren alles neu ist», schmunzelt Chantal. Ein Bericht, der die Wirklichkeit von Naturgefahren deutlich macht: unvorhersehbare Ereignisse, die binnen Sekunden alles verändern können – und zugleich den Zusammenhalt und die Unterstützung zeigen, die die Wiederherstellung ermöglichen.